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18

Apr

Facebook Groups als Meinungsbildungs- und Organisationstool für Parteien und Verbände

idA1SgH-tQQSocial Media im Allgemeinen und Facebook im Speziellen wird von politischen Parteien oft nur als reines Kampagnentool gesehen: Wie können Themen über Netzwerkeffekte verbreitet werden und gesetzt werden. Auch einzelne Politiker nutzen Facebook neben der Pflege der innerparteilichen Kontakte und denen zu Multiplikatoren hauptsächlich zur Selbstdarstellung. Soweit, so auch ok.

Facebook bietet aber auch ein anfangs kaum genutztes Feature, das für Parteien und überhaupt Verbände sehr interessant sein kann: Die Facebook Groups. Diese haben sich seit der Umstellung auf ein zugegebenermaßen sehr aufdringliches Format zu einem sehr hilfreichen und erfolgreichen Kommunikationstool für klar umrissene Interessensgruppen (wie Parteien und Verbände) entwickelt.

Die Vorteile zumindest für den Initiator liegen wie an anderer Stelle in anderem Kontext schon einmal beschrieben auf der Hand:

  • Schnelles Gruppenwachstum durch Hinzufügen von Nutzern aus dem Freundeskreis, ohne dass diese sich (erst einmal) dagegen wehren können.
  • Sichtbarkeit des Beitritts durch in der Timeline (außer bei “geheimen Gruppen”) und damit einhergehender Hinweis der Existenz der Gruppe im Netzwerk.
  • Einlademöglichkeit für jedes Mitglied sofern vom Administrator erlaubt und damit crowdbasiertes Recruiting für die Gruppe (was angesichts der Tatsache, dass jeweils nur die eigenen Facebookfreunde eingeladen werden dürfen, auch notwendig ist).

Auch im laufenden Betrieb stellt sich das Format der Facebook Groups als sehr förderlich für die Gruppenaktivität dar:

  • Neue Posts werden an alle Gruppenmitglieder nicht nur als Neuigkeit in der Kopfleiste markiert, sondern auch per Mail zugesandt, sofern die diesbezüglichen Standardeinstellungen nicht verändert wurden. Das hat sich als besonders erfolgreich erwiesen, um Halboffliner bei der Stange zu halten, die selten in Facebook “hereinschauen” (wie sie es wohl formulieren würden).
  • Gruppen ermöglichen auch das Hochladen von Dokumenten, was auch die Diskussion beispielsweise von Themenpapieren oder Flyerentwürfen erlaubt.
  • Auch die Einrichtung von allein gruppenbezogenen geschlossenen Events sind möglich, was die Verabredung zu Offlineterminen vereinfacht.

Nun ist es nicht so, dass dies nicht auch in selbstgehosteten und -verwalteten Foren oder Wikis möglich wäre. Diese wären auf den ersten Blick aufgrund ihrer Unabhängigkeit von einem kommerziellen Drittservice mit manchmal zweifelhaftem Datenschutzagieren in der reinen Lehre auch besser – besonders für Parteien, die diesbezüglich besonders sensibel sind. Rein pragmatisch muss man aber feststellen, dass die Beteiligungsrate in den von mir aufgesetzten und/oder administrierten Gruppen ungleich höher als in den vorherigen unabhängigen Formaten ist – eben weil die Nutzer “sowieso” auf Facebook sind und damit die Gruppe nur einen Klick weit weg ist. Ohne sich noch einmal in einem anderen Communitykontext bewegen zu müssen, der vielleicht auch eine schlechtere und spaßfeindlichere Usability und auch – nicht zu unterschätzen – keine mobile App hat.

So sind in der von mir gegründeten geschlossenen Gruppe der Grünen in Hamburg beispielsweise mittlerweile 276 Mitglieder aktiv – immerhin ungefähr 17% aller Mitglieder, während die offizielle Mailingliste nur von gut halb so vielen Mitgliedern abonniert wird. Auch ist die allgemeine Beteiligung sowie die Zahl der beteiligten Personen prozentual deutlich höher und sorgt so für eine größere Meinungsvielfalt und -bildung. Ähnliche Gruppen gibt es auch für die grünen Onliner oder das Politcamp. Und mittlerweile nutzen auch Unternehmen – bevorzugt aus dem Onlinesektor – solche Gruppen für die interne Kommunikation. Im Kontext Parteien ist allerdings trotz allen Pragmatismus unbedingt darauf zu achten, dass Facebook nicht zum alleinigen Kommunikationstool wird. Alle wichtigen Informationen müssen auch auf offenen und eigenen Kanälen verfügbar sein – niemand darf zu einer Mitgliedschaft bei Facebook gezwungen sein, um wesentliche Informationen zu erhalten. Die Facebook Groups ersetzen nicht die Mitgliederversammlung, wohl aber das Treffen von Gleichgesinnten in einer Kneipe. Gerade zeitlich weniger flexiblen Mitgliedern einer Partei oder eines verbandes kann so die Teilhabe am Leben der Organisation ermöglicht werden.


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